Wie schreibt man heutzutage eigentlich Schiff-Fahrt? Mit Bindestrich? Mit drei "F"? Das sind nur zwei von tausenden ungeklärten Fragen, die die neue Rechtschreibung Deutsch in den letzten Jahren aufwarf. Unser schönes "ß", dessen Benutzung man sich jahrelang hart im Deutschunterricht angeeignet hat, bekam eine völlig neue Handhabung. Abhängig von langen oder kurzen Vokalen müssen die "alten" Deutschen aufs Neue Regeln lernen und umsetzen, da ja Altbewährtes plötzlich als falsch gilt.
Eltern, die die Hausaufgaben ihrer Kinder falsch korrigieren, weil ihnen die neuen Regeln unbekannt sind, Korrespondenz, die unprofessionell scheint, da man jetzt gar nicht mehr weiß, wie die Anrede geschrieben wird. Rundum herrscht allgemeine Verwirrung. Die wichtigsten Regeln hat sich manch einer bestimmt irgendwie angeeignet, durch Duden und Co. Aber mal ehrlich, haben wir nicht alle unsere Momente des Zweifels? Ein wichtiger Brief an die Bank oder Korrespondenz im Auftrag des neuen Chefs. Diese Momente kennt wohl jeder, der noch zu Zeiten der alten Rechtschreibung die Schulbank drückte.
Neben weit verbreiteter Akzeptanz dieser fragwürdigen Reform schlich sich jedoch eine Art Gegenbewegung ein. Die absoluten Verweigerer. Hier drängt sich nun die Frage auf, handelt es sich um Leute, die aus Prinzip die Veränderung verweigern, da sie nicht bereit sind sich fortzubilden, oder um Leute, die versuchen, ihre bisherigen Wissenslücken der deutschen Rechtschreibung zu vertuschen? In jedem Fall sollte man die Chance ergreifen, um sich die korrekte "Rechtschreibung Deutsch" anzueignen. Vor allem, wenn man schulpflichtige Kinder hat. Leider war es mit ein paar neuen Veränderungen der Schreibweise nicht getan. Hier und da noch einige neue Regelungen zur Interpunktion, welche aber allem Anschein nach nicht die Hauptproblematiken ausmachen. Wann und wo man ein Komma setzt oder auch nicht, bleibt allzu oft Gefühlssache.
Die wirklich großen Konflikte verbergen sich hinter kleinen Worten: dass versus Straße, du versus Sie, müssen versus Fuß usw. Dank Internet und automatischen Korrekturprogrammen bleibt den Alteingesessenen ein "Sprachkurs Deutsch" an der Volkshochschule erspart. Dennoch ist zu sagen, dass eine totale Verweigerung der neuen Rechtschreibung inakzeptabel ist. Die deutsche Mentalität geht mit Regelwerken und deren Einhaltung einher. Letztlich gibt es keinen Unterschied zwischen willkürlichen Steuerreformen und unnützen Rechtschreibreformen.